Die signifikante Lüge in der Kardiologie

Große Überschrift „Antithrombotische Therapie mit Ticagrelor mit geringerer Mortalität assoziiert“

Was heißt das?

Zunächst einmal soll man denken, daß Ticagrelor etwas Gutes ist. Ich habe davon einen Schlaganfall bekommen und innere Blutungen. Und seitdem bin ich besonders kritisch.

Und nun steht da, Ticagrelor sei besser als …

Dazu hat man nicht selbst eine Studie durchgeführt sondern andere Studien, die völlig verschieden waren, jetzt zusammengewürfelt und dann eine Meta-Studie durchgeführt, also Papier einfach noch mal ausgewertet.

Beim Zusammenschreiben hat man dann per Statistik gerechnet und kommt dann zu Aussagen, die in der Wirklichkeit nicht belegt sind.

Da steht dann:

„Nur Ticagrelor senkt die Sterblichkeit signifikant – Gegenüber Clopidogrel reduzierte Ticagrelor die kardiovaskuläre Mortalität um signifikante 18% (HR 0,82; 95% CI: 0,72-0,92); die Gesamtmortalität war um signifikante 17% geringer (HR 0,83; 95% CI: 0,75-0,92).2

Übersetzt auf Deutsch heißt dies, real senkt Ticagrelor die Sterblichkeit nicht sondern nur die Signifikanz und diese auch nur in den Studien, die alle sehr verschieden waren.

Das hört sich schon anders an.

Was ist das Problematische daran, wie der p-Wert aktuell verwendet wird?
Das ist vor allem ein sprachliches Problem: Wenn man sagt, dass etwas statistisch signifikant ist oder nicht, wird diese willkürliche Zweiteilung als Ersatz genommen – auch von Wissenschaftlern – für einen vernünftigen Induktionsschluss. Signifikant heißt dann auf einmal automatisch, dass es einen Effekt gibt, und nicht-signifikant, dass es keinen gibt. Beide Schlussfolgerungen sind unzulässig, geradezu übermütig.“

Diese Sätze sind aus dem Artikel „Statistik nimmt den Forschern nicht das Denken ab“. Und hier geht es ja um mehr als Denken.

Es geht aber noch weiter: „Die Analyse der Sicherheitsdaten bestätigte das bekannte erhöhte Blutungsrisiko unter Ticagrelor und Prasugrel: Verglichen mit Clopidogrel war die Rate an schweren Blutungen um 27% (HR 1,27; 95% CI: 1,04-1,55) bzw. 26% (HR 1,26; 95% CI: 1,01-1,56) gesteigert.2

Man macht also einen Text und formuliert eine Überschrift, um zu suggerieren, daß man mit Ticagrelor das Risiko für kardivaskulären Tod vermindern kann. Wenn man dann an den Nebenwirkungen stirbt / verblutet, ist dies egal?

Und noch etwas?

Ticagrelor senkt laut diesem Artikel die kardiovaskuläre Sterblichkeit gegenüber Clopidogrel um 18% im Rahmen der Metaanalyse aber die schweren Blutungen nehmen bei Ticagrelor gegenüber Clopidogrel um 27% zu.

Noch Fragen?

Ich bin kein Mediziner sondern Laie und lese. Und daher schreibe ich hier auch nicht in einer unverständlichen Fachsprache sondern so, wie man es hoffentlich verstehen kann.

Niemand weiß alles, aber ich gebe wenigstens zu, daß ich mir mein Wissen immer erst erarbeiten muß und meine Grenzen kenne.

Und Mediziner sind nun mal keine Statistiker sondern lediglich eng begrenzte Fachleute und sollten sich daher auch nicht anmaßen, mehr zu wissen als aufgeklärte Patienten, die bei vielen Themen auf gleicher Augenhöhe sind oder sogar mehr wissen.

Ich habe mit Schrecken erfahren, wie schmalspurig die Medizinausbildung heute teilweise ist. Ein/e Fachmann/Fachfrau weiß von immer weniger immer mehr bis man von nichts alles weiß…

Autor: mima

mike from europe wants to see more than germany

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